Windows 10 im September 2026: Wo Unternehmen jetzt stehen
Windows 10 Version 22H2 hat den regulären Support am 14. Oktober 2025 erreicht. Geräte ohne Extended Security Updates erhalten damit keine regulären kritischen und wichtigen Sicherheitsupdates mehr. Für Unternehmen, die Windows 10 weiter betreiben müssen, gibt es das kostenpflichtige ESU-Programm.
Das Timing ist im September 2026 besonders relevant: Das erste ESU-Jahr endet am 13. Oktober 2026. Wer Geräte anschließend weiter mit Windows 10 betreiben will, muss entscheiden, ob ein weiteres ESU-Jahr wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist – oder ob die Migration jetzt abgeschlossen werden sollte.
Was Windows 10 ESU tatsächlich leistet – und was nicht
Extended Security Updates liefern für registrierte Geräte weiterhin kritische und wichtige Sicherheitsupdates. Sie verlängern damit den sicheren Übergangszeitraum nach dem regulären Supportende.
ESU bringt jedoch keine neuen Funktionen, keine normalen Designänderungen und keinen vollständigen technischen Support für Windows 10 zurück. Microsoft macht ausdrücklich klar, dass das Programm den Produktlebenszyklus nicht wieder auf „normalen Support“ setzt. Details veröffentlicht Microsoft in der Windows-10-ESU-Dokumentation.
Für Unternehmen ist das entscheidend: Ein Windows-10-PC mit ESU ist besser abgesichert als ein ungepatchtes Gerät, bleibt aber eine Plattform im verlängerten Übergangsbetrieb.
ESU-Kosten und Laufzeiten für Unternehmen
Für kommerzielle Organisationen nennt Microsoft für das erste ESU-Jahr einen Listenpreis von 61 US-Dollar pro Gerät. Der Preis verdoppelt sich in den Folgejahren. Außerdem sind die Jahre kumulativ: Wer später einsteigt, kann vorherige Jahre nicht einfach überspringen.
Für kommerzielle und Bildungseinrichtungen sind bis zu drei ESU-Jahre vorgesehen. Die derzeit veröffentlichten Enddaten lauten:
- ESU Jahr 1: bis 13. Oktober 2026
- ESU Jahr 2: bis 12. Oktober 2027
- ESU Jahr 3: bis 10. Oktober 2028
Die jeweils gültigen Lifecycle-Daten finden Sie in Microsofts ESU-Lifecycle-FAQ.
ESU weiterbezahlen oder auf Windows 11 wechseln?
Die richtige Entscheidung hängt selten nur vom Lizenzpreis ab. Relevant sind Hardwarealter, Fachanwendungen, Peripherie, Ausfallrisiko, Supportfähigkeit und der Aufwand einer späteren Migration.
ESU kann sinnvoll sein, wenn …
- eine geschäftskritische Fachanwendung noch nicht für Windows 11 freigegeben ist,
- eine Maschine oder Spezialhardware an einen bestimmten Arbeitsplatz gekoppelt ist,
- ein geplanter Geräteaustausch in wenigen Monaten ohnehin ansteht,
- die Migration bereits läuft und nur eine begrenzte Restmenge abgesichert werden muss.
Windows 11 sollte priorisiert werden, wenn …
- die Geräte kompatibel und technisch noch sinnvoll nutzbar sind,
- Standardsoftware eingesetzt wird und keine Blocker bestehen,
- ESU lediglich aus Bequemlichkeit statt aus technischer Notwendigkeit gekauft würde,
- die Hardware ohnehin alt, langsam oder störanfällig ist.
Vor jeder Entscheidung: Ein sauberes Geräteinventar
Ein gutes Migrationsprojekt startet nicht mit dem Upgrade-Button, sondern mit einer Liste. Für jeden verbliebenen Windows-10-Arbeitsplatz sollten mindestens Gerät, Benutzer, Hardwarealter, Windows-Edition, Anwendungsbestand, Spezialperipherie und Geschäftsrelevanz bekannt sein.
Danach lassen sich Geräte in drei Gruppen einteilen: direkt migrierbar, Hardware ersetzen oder temporär mit ESU weiterbetreiben. Genau diese Klassifizierung verhindert, dass einzelne Altgeräte jahrelang unbemerkt weiterlaufen.
Fachanwendungen sind oft der eigentliche Migrationsblocker
In vielen mittelständischen Umgebungen scheitert die Windows-11-Migration nicht an Windows selbst, sondern an Branchenprogrammen, alten Datenbankclients, Spezialtreibern, Makros, Kartenlesern, Messgeräten oder Maschinenanbindungen.
Diese Abhängigkeiten sollten gezielt getestet werden. Idealerweise gibt es einen Pilotarbeitsplatz mit realen Anwendungen und Peripheriegeräten. Funktioniert die Anwendung technisch, ist zusätzlich zu klären, ob der Hersteller sie unter Windows 11 offiziell unterstützt. Ein „läuft bei uns“ ist nicht dasselbe wie ein belastbarer Supportstatus.
Wann ein Hardwaretausch sinnvoller ist als ein Upgrade
Selbst wenn ein älterer Rechner technisch auf Windows 11 gebracht werden könnte, muss das wirtschaftlich nicht sinnvoll sein. Bei Geräten mit mehreren Jahren Laufzeit können schwache Prozessoren, kleine SSDs, niedriger Arbeitsspeicher, alte Akkus oder fehlende Ersatzteile die Gesamtkosten erhöhen.
Ein geplanter Austausch bietet außerdem die Chance, Geräte standardisiert auszurollen, BitLocker, Endpoint-Security, Intune beziehungsweise andere Management-Werkzeuge sauber einzubinden und Altlasten nicht mitzunehmen.
Ein praxistauglicher Windows-11-Migrationsplan
1. Inventarisieren
Windows-10-Geräte, Anwendungen, Benutzer und Sonderhardware erfassen.
2. Kompatibilität bewerten
Geräte in Upgrade, Austausch und ESU-Ausnahme einteilen.
3. Pilotieren
Reale Benutzer aus verschiedenen Abteilungen testen lassen – inklusive Druckern, VPN, Fachsoftware und Makros.
4. Daten und Recovery absichern
Vor Upgrades müssen Backup, Wiederherstellung und ein Rückfallplan geklärt sein.
5. Wellen planen
Geräte gruppenweise migrieren, damit Support und Fachbereiche nicht gleichzeitig überlastet werden.
6. Restliste schließen
Jedes verbleibende Windows-10-Gerät braucht einen Verantwortlichen, einen Grund und ein geplantes Enddatum.
Typische Fehler bei Windows 10 nach dem Supportende
- „Das Gerät läuft doch noch“: Technische Funktion ist kein Ersatz für Sicherheitsupdates und Hersteller-Support.
- ESU ohne Enddatum: Übergangslizenzen dürfen nicht zur Dauerstrategie werden.
- Fachanwendungen erst am Migrationstag testen: Das erhöht Ausfallrisiko und Projektstress.
- Alte Geräte ungeplant upgraden: Nicht jeder technisch mögliche Upgrade-Pfad ist wirtschaftlich sinnvoll.
- Restgeräte vergessen: Einzelne PCs in Lager, Besprechungsraum oder Werkstatt fallen schnell aus dem Blick.
Fazit: ESU kauft Zeit – Windows 11 löst das eigentliche Problem
Windows 10 ESU ist 2026 ein sinnvolles Werkzeug, wenn Unternehmen begründete Ausnahmen absichern müssen. Mit dem Ende des ersten ESU-Jahres am 13. Oktober 2026 wird die Frage jedoch dringlicher: Welche Systeme brauchen wirklich noch Zeit und welche können jetzt sauber migriert oder ersetzt werden?
büKOM Systemhaus GmbH unterstützt bei Geräteinventar, Windows-11-Kompatibilität, Hardwareplanung, Migration, Microsoft 365, Endpoint-Security, Backup und laufendem IT-Betrieb. So wird aus einer Restliste alter Windows-10-PCs ein kontrolliertes Migrationsprojekt.